Mein erstes Schlagwerkzeug: Der Flogger

Ich habe euch schon mitgenommen auf die Reise zu „meinem“ ersten Halsband und auch bei meinem ersten fesselfertigen Seil wart ihr mit dabei. Da macht es doch eigentlich nur Sinn, wenn ich euch nicht vorenthalte, wie ich meinen ersten Flogger gebaut habe.

Eigentlich hatte ich schon länger den Wunsch, mir mal mein eigenes Spielzeug zu bauen. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass ich das mit den Seilen bereits gemacht habe, aber ich sehe das Seil in meiner Hand eher als Werkzeug, denn als Spielzeug. Vor kurzem war mir dann mal wieder danach, mich handwerklich zu betätigen und weil ich von Hause aus für meine Geduld bekannt bin, ging ich schnurstracks zum örtlichen Lederfachhandel, der mich damals schon bei meinem Halsband mit seinem Wissen unterstützt hat. Zu meinem Glück hatte er sogar noch geöffnet, was ja in der aktuellen Zeit nicht unbedingt selbstverständlich ist und ich konnte mich etwas bei ihm umschauen.

„Was will ich überhaupt?!“

Wie ich so in dem Laden stand wurde mir klar, dass ich eigentlich noch gar keine Idee hatte, was ich im Grunde überhaupt wollte. Ich meine klar, irgendwas aus Leder. Wenn man dann schon mal in einem Fachhandel für Gegerbtes steht, dann liegt der Gedanke nahe, dass Tierhaut einen nicht unwesentlichen Teil des Spielzeugs ausmachen wird… Aber was soll es denn nun werden? Der Besitzer des Ladens musste noch schnell was fertig machen und ich hatte die Gelegenheit mich hier und da mal umzusehen.

Natürlich hatte ich schon ein paar Ideen. Wenn man sich ein bisschen für Lederarbeiten interessiert, dann kommt man nicht drum rum auf YouTube das eine oder andere Tutorial zu sehen, wo Meister ihres Fachs Sachen mit der Haut von Tieren machen. Die Ergebnisse sind einfach nur bewundernswert. Das Problem dabei ist nur leider: Ich bin gar nicht mal soooooo gut ausgestattet… Also da ist nicht viel Werkzeug mit dem ich… Na wegen dem verarbeiten und… Ach, ich komm‘ nochmal rein, ok?

Ich habe mir damals ein Set zur Bearbeitung von Leder geholt, das eigentlich nur einem Zweck diente: Ein Halsband herzustellen. Deswegen hatte ich natürlich ein Messer, Kleber und noch das ein oder andere, aber ich habe zum Beispiel nur Reste zuhause gehabt. Für so ein Halsband muss man ja nicht viel Leder verwenden und da ich auch nie vorhatte in Serie zu produzieren war mir im Grunde ziemlich egal, dass das keine großen Stücke waren. Wenn man aber nun richtiges Spielzeug bauen möchte, dann gibt es schon einiges zu beachten. Man braucht eine bestimmte Länge und Dicke, sonst… Nein, ich zieh‘ das jetzt durch. Der Punkt ist, ich musste mehr oder weniger bei null anfangen. Für einen Griff hatte ich vielleicht noch genug da, aber um daraus wirklich was zu bauen reichte es nicht.

Das Leder verdammt teuer werden kann war mir natürlich klar und dass ich wahrscheinlich billiger wegkommen würde, wenn ich mir einfach irgendwo Spielzeug kaufte auch, aber wo wäre denn da der Spaß? Außerdem hasse ich es, wenn sich mein Geldbeutel wegen all der Scheine immer so aufbläht. Da ich also weder viel Werkzeug, noch entsprechendes Leder zuhause hatte, musste mein Spielzeug am besten mit wenigen Handgriffen zu bauen sein.

Im Laden waren unter anderem auch Lederschnüre in verschiedenen Farben mit gut 1,5 m Länge zu finden. Die waren zwar nicht ganz billig, aber damit wäre mein Spielzeug schon fast fertig dachte ich mir. Ein Euro für jedes mal, wo ich das gedacht habe… wie kann man nur soviel Pech beim Denken haben? Die Schnüre haben mich so um die 30 Euro gekostet und ich konnte sie sogar dritteln, was dafür gesorgt hat, dass ich eigentlich nur noch einen Stil für den Griff brauchte. Auch der war schnell auf dem Weg nach Hause schnell gefunden. So ein solider Stil (1 m lang und 2 cm im Durchmesser) kostet nicht mal 7,- Euro und ich habe sogar noch ca. 80 cm übrig für spätere Projekte.

Leder und Holz.

Wenn ich es mal überschlage und die Lederreste noch mit dazu zähle, dann hat mich das Material für den Flogger großzügig gerechnet 45 Euro gekostet. Natürlich hatte ich das Werkzeug dass ich brauchte und den Kleber schon zuhause, aber ich will nicht in Serie gehen, daher muss man es jetzt auch nicht zu genau nehmen.

Zurück in der eigenen „Werkstatt“

Ohne Witz, ich möchte einmal in meinem Leben wirklich genug Platz haben zum Arbeiten und mir nicht bei jedem Arbeitsschritt überlegen müssen wo ich jetzt noch mein Bier abstellen soll. Wer mir das mal ermöglicht, der kann davon ausgehen, dass ich wildwichsend durch seine Räumlichkeiten renne.

Stück für Stück

Meine Werkstatt ist so gesehen meine ganze Wohnung. Leder auslegen im Wohnzimmer, schneiden in der Küche. Der einzige Raum, der nicht zweckentfremdet wird ist die Toilette. Alles hat seine Grenzen. Zuerst habe ich den Stil auf eine für mich angenehme Länge gekürzt, das waren so um die 18-20 cm. Anschließend habe ich das Holz dann noch schwarz angemalt, ich bin ganz ehrlich, dass hatte absolut keinen Sinn, aber ich habe auch nach keiner Anleitung gearbeitet und wusste daher nicht, wie meine nächsten Schritte aussehen werden und wollte vermeiden, dass man am Ende vielleicht noch irgendwo das helle Holz durchsieht. Nun ja, am Ende war es jedenfalls komplett egal.

Kabelbinder machen das Leben leichter.

Als Nächstes habe ich dann Stück für Stück die Lederstreifen aneinander geklebt, um sie besser um das Holz wickeln zu können. Das hat mit Abstand am längsten gedauert. Wenn ich das nochmal machen sollte, dann würde ich ein ganzes Stück Leder nehmen in der entsprechenden Länge und es bis 6-7 cm in Streifen schneiden. Als ich dann mehrere Stücke Schnüre zusammengeklebt habe, fing ich an diese an das Holz zu kleben und Abschließend noch Kabelbinder drum rum, damit es auch sicher hält. Macht euch keine Sorgen wegen eventueller Spuren auf dem Leder, das sieht am Ende keine mehr. Als Kleber verwende ich übrigens immer: Kövulfix. Das Zeug ist super und klebt Leder wie Hölle.

Alles hat ein Ende…

Während das eine Ende also quasi fertig war und ich nur darauf warten konnte, bis ich mir sicher war das sich nichts mehr löst, habe ich mit dem anderen Ende weiter gemacht. Damit ich am Griff nicht einfach ein Holzende habe, dachte ich mir, ich könnte es etwas veredeln in dem ich Leder darüber spanne und so dafür sorge, dass gar kein Holz mehr direkt zu sehen ist. Hierfür habe ich mir unter zur Hilfenahme eines Glases ein rundes Stück Leder aus meinen Resten geschnitten und es sternförmig aufgeschnitten.

So habe ich dann also immer wieder nachgeschnitten und geklebt und zum Abschluss kam wieder der Kabelbinder zum Einsatz. Bis ich soweit war, sind mit Sicherheit 2-3 Stunden ins Land gezogen. Hätte ich mir den Arbeitsschritt mit dem verkleben der Schnüre gespart, wäre das sicher in einer halben Stunde fertig gewesen, aber ich war ja nicht auf der Flucht und konnte mir daher diese Zeit nehmen.

Um nicht „nichts“ zu tun habe ich mir Gedanken um den Griff gemacht und das war der wirklich schwierigste Teil an dem ganzen Flogger.

Der Griff

Der einzige Makel, der mich wirklich selbst stört. Das ist nicht mal ein Schnitt, sondern nur etwas Leder das an der Stelle überlappt.

Ich kann gar nicht genau bestimmen, warum es mir so schwer gefallen ist, eine gute Idee für den Griff zu finden. Es hängt vor allem damit zusammen, dass ich eigentlich dachte, dass der Griff natürlich mit Leder umwickelt werden muss. Fragt mich nicht warum das für mich so felsenfest stand, aber es sorgte dafür, dass ich erstmal nicht weitermachen konnte. Ich hatte schlechtweg nicht genug Leder, um da eine anständige Wicklung zustande zu bringen. Ich habe dann erstmal mit zwei etwas dickeren Lederstreifen die Enden „veredelt“, damit man nicht mehr den Übergang zwischen den einzelnen Komponenten sieht.

Um den Abstand zwischen den einzelnen Teilen des Griffs noch weiter zu minimieren habe ich dann eine alte schwarze Jeans zerschnitten und das Holz damit umwickelt, um alles mehr oder weniger in eine gerade Fläche zu verwandeln. So habe ich das ganze Produkt dann erstmal über Nacht trocknen lassen und am nächsten Tag fiel es mir – viel zu spät – ein: Paracord! Natürlich. Wieso bin ich da nicht gleich drauf gekommen? Aber gestern war Samstag und deswegen war heute natürlich Sonntag. Für mich war das einfach nicht auszuhalten. Da hatte ich DIE Idee und musste einen ganzen verdammten Tag warten, bis ich sie endlich umsetzen konnte. Wer mich kennt, der weiß, dass ich den ganzen Tag auf dem Zahnfleisch gelaufen bin. Da habe ich mal die perfekte Lösung und dann muss unbedingt Sonntag sein. Tag des Herren am Arsch ich muss JETZT in den Baummarkt!

Arbeitsplatz: Küche.

Nun gut, irgendwann wurde dann auch endlich Montag und ich bin direkt nach der Arbeit in den Baummarkt und habe mir ca. 9 m von irgendeinem Synthetikseil mitgenommen um zu schauen, ob das überhaupt so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Es stellte sich raus, dass es mir so gut gefallen hat, dass ich es dabei belassen habe und nur noch ein paar Nägel eingeschlagen habe, um die Klebestellen zu überdecken.

Fazit

An dem fertigen Ergebnis kann man deutlich sehen, dass es handgemacht ist. Der Griff ist nicht ganz eben, was witzigerweise zu einem fast schon gewollten Gefühl in der Hand sorgt. Ich sehe natürlich jeden Fehler und bin noch nicht zufrieden mit dem fertigen Flogger, aber dafür dass es das erste Mal war und es im Grunde auch wirklich nicht schwer herzustellen ist, bin ich doch sehr begeistert und überlege auch schon, was ich eventuell noch so brauchen könnte in meinem Schlafzimmer.

Hier nun das fertige Ergebnis.

Ich kann nur jedem empfehlen es selbst auch mal zu versuchen und sich einen Flogger selbst zu bauen. Ich weiß natürlich nicht, ob dieser jetzt seine knapp 45 Euro wert ist und was man wohl für einen solchen Flogger in einem Laden zahlen würde, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich da nicht so günstig bei weggekommen wäre.

Jetzt seid ihr dran: Wie gefällt euch das Ergebnis? Habt ihr Block auch mal sowas zu bauen, oder ist euch der Aufwand die Zeit nicht wert? Danke in jedem Fall für’s lesen 🙂

Autor: Herr Shibari

Ist Herr dieser Seite. Schreibt Kurzgeschichen und Blogbeiträge.

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