Von Herr Shibari

Die Sonne ist schon lange untergegangen und es hat angefangen zu schneien. Die Heizung läuft und in deinem Zimmer breitet sich eine angenehme Wärme aus, die auch von den Kerzen herrührt, die du für ein angenehmeres Licht in deinem Zimmer verteilt hast, während du dir einen weiteren Karton genommen hast und nun einen Platz für seinen Inhalt suchst, als es an deiner Tür klopft. Als du aufstehst, fragst du dich, wer deiner neuen Mitbewohnerinnen wohl vor deiner Tür steht. Du öffnest die Tür nur einen Spalt, weil du unter deinem viel zu großen Pulli nur ein Höschen trägst. Deine Begrüßung verstummt, als du deinen Herrn vor der Tür siehst. 

Dein überraschter Blick übertrumpft alle meine Erwartungen und ein wenig Überheblichkeit mischt sich in mein ohnehin schon breites Grinsen. „Ich war gerade zufällig in der Gegend und“, doch du unterbrichst mein schlechtes Schauspiel mit deiner Umarmung und ich drücke deinen Kopf fest an meine Brust. „Hallo mein kleiner Schmetterling“, flüstere ich in dein Ohr. Ich gebe dir einen Kuss auf den Kopf. „Möchtest du mich nicht hereinbitten?“ Du löst dich von mir und für einen Moment scheint es, als hättest du dir schnell eine Träne aus dem Augenwinkel gewischt. „Ja, natürlich.“ Ich trete ein und lege meine Jacke über einen Stuhl, während mein Koffer seinen Platz neben der Tür findet. 

Im Zimmer stehen noch viele Kartons, aber überall hast du bereits deine Spuren hinterlassen, seien es die Pflanzen vor deinem Fenster oder die Regenbogenflagge, die über deinem Bett hängt. Dein Herr sieht sich etwas um, als du notdürftig ein paar T-Shirts und Socken vom Boden aufhebst, nur um sie in eine Ecke zu werfen, in der Hoffnung, dass sie dort weniger auffallen. „Ich habe nicht… ich meine, WIE?“, versuchst du deiner Überraschung Luft zu machen. „Du hast mir neulich deine Adresse gegeben und gesagt, ich kann ja mal vorbeikommen“, sagt er achselzuckend, „und nun bin ich da. Wenn es dir gerade nicht passt, dann…“ “Nein, nein. Es ist schön, dass du da bist! Ich hatte nur nicht so bald mit dir gerechnet.”

Da uns allein dein Bett als Sitzmöglichkeit zur Verfügung steht, dauert es nur wenige Momente, bis wir kuschelnd beieinander liegen. Meine Hand fährt durch deine kurzen Locken und ich nehme dich mit all meinen Sinnen wahr. Du drehst deinen auf meiner Brust liegenden Kopf, um in meine Augen zu sehen, während deine Fingerspitzen ihren Weg unter mein T-Shirt gefunden haben. “Mein Herr, wäre es möglich, dass Ihr mich etwas züchtigt, wenn ich schon das Glück habe, dass Ihr Euch in der Gegend befunden habt.”

Er sieht dir in die Augen und sein Lächeln wird zu einem breiten Grinsen. “Nun gut, in der Tat wäre es Verschwendung, wenn ich mir nicht etwas Zeit für dich nehmen würde.” Er richtet sich etwas auf und gibt dir einen Kuss auf die Stirn. “Bring’ mir dein Halsband”, und als du aufstehst, um es zu holen, fügt er noch hinzu: „Den Rest deiner Kleidung wirst du nicht brauchen.” Du gehst zu deiner Kommode, um das unscheinbare Band zu holen und als du es zwischen den Finger hältst, fällt dir auf, wie lange es schon her ist, dass du es getragen hast. Dieses dünne Bändchen, es bedeutet so viel. Es gibt natürlich schönere und auch wertiger produzierte, aber dieses ist deins. Es war ein Geschenk von dir, an dich. Keiner hat es dir gekauft und irgendwelche Erwartungen damit verbunden. Es hat dich immer begleitet und nur wen du als würdig erachtet hast, durfte es dir anlegen und dich führen.

Da steht der Mensch, der sich mir anvertraut hat und mit dem ich unsere gemeinsamen Sehnsüchte und Wünsche ausleben darf, nun vor mir. Langsam fallen alle Hüllen, bis als letztes dein Höschen zwischen deinen Füßen liegt. Wenn ich dich sehe, kann ich mein Glück kaum fassen. Du bist wunderschön, deine Brüste, dieser Hintern, alles an dir ist zum Anbeißen und genau das werde ich heute auch noch tun. In der Hand hältst du dein Halsband. Du kommst auf mich zu und kniest dich vor mir hin, mit beiden Händen streckst du es mir entgegen. Ich nehme es dir behutsam ab und stehe auf, um langsam um dich herum gehen zu können. Wie lange habe ich darauf gewartet, wieder mit dir spielen zu können? Ich kann mich von diesem Anblick nur schwer lösen, wie du dort kniest, in Erwartung der Dinge, die ich mit dir heute Abend noch vorhabe. Ich stehe nun direkt hinter dir und streichle über dein Haar, dann lege ich dir das Halsband an. Das Spiel kann beginnen.

Nachdem er dir dein Halsband angelegt hat, steht er wieder vor dir. Sein Blick ruht auf dir, deinem Halsband, deinem Körper, du spürst seinen Blick sogar auf deiner Seele. Was wird er nun mit dir anstellen? Was hat er sich wohl ausgedacht, für euer erstes Spiel in deinen eigenen vier Wänden? Immer noch keine Reaktion seinerseits. In dir wachsen Vorfreude und Nervosität in gleichem Maße. Du willst, dass er dich endlich benutzt, sich deiner annimmt und ihr gemeinsam wieder eins seid, im Spiel. Diese innige Verbindung, die mit nichts zu vergleichen ist, die du mit niemandem sonst spürst. Die keiner Worte bedarf und dich euch noch intensiver spüren lässt. Du willst seine Hände auf deiner Haut, seinen festen Griff um deinen Hals. Während du deinen Gedanken freien Lauf lässt, bemerkst du, dass du langsam feucht wirst. Er quittiert deinen erwartungsvollen Blick mit einem verschmitzten Lächeln und geht dann zu seiner Jacke, er nimmt den Schal, den er vorhin in dessen Ärmel verstaut hat, und kommt wieder auf dich zu. Endlich, es beginnt. Es fällt dir mittlerweile immer schwerer, einfach nur zu knien, obwohl es nur wenige Augenblicke gewesen sind. 

Ich möchte nicht lügen, dich etwas zappeln zu lassen, bevor es losgeht, bereitet mir ein schelmisches Vergnügen, aber noch weiter hinauszögern möchte ich es nicht. Ich knie mich zu dir herunter und lege den Schal um deine Augen. Er ist zwar nicht ideal, aber für heute wird er seinen Zweck erfüllen. Während ich den Knoten fester ziehe, küsse ich dich auf die Lippen. Der Schal sitzt, nun nehme ich deine Hand und ziehe dich behutsam auf die Füße. Als du vor mir stehst, lasse ich meine Hand deinen Körper etwas erkunden. Meine Finger finden ihren Weg von deiner Hüfte, über deinen Bauch und dann entlang deiner Brüste bis zu deinem Hals. Ich kratze ein wenig mit meinen Fingernägeln über deine Haut, sofort bekommst du eine Gänsehaut und deine Nippel richten sich auf. Ich packe deinen Hals mit meiner rechten Hand und drücke deinen Kopf behutsam mit dem Daumen nach rechts. Du zeigst mir deine Bereitschaft zu allem, was ich vorhaben könnte, in dem keine Gegenwehr meine Handlung behindert. Dein Hals liegt nun völlig frei und ich kann mich nicht zurückhalten, als ich meine Zähne in eben jenen versenke.

Dir entfährt ein leiser Schrei, als du seinen Biss in deinem Hals spürst. Wie lange ist es her, dass du seine Zähne spüren durftest? Du genießt jeden Augenblick, während deine Erregung steigt. Die Fingernägel seiner linken Hand graben sich in deinen Rücken und er zieht diese langsam, Zentimeter für Zentimeter herunter, bis er an deinem Hintern angekommen ist. Er lässt von deinem Hals ab und flüstert dir ins Ohr: “Umdrehen.” Bevor du die Gelegenheit hast, seinem Befehl folge zu leisten, packt er mit der Hand, die gerade noch auf deinem Hintern geruht hat, dein linkes Handgelenk und zieht es in Richtung deines rechten Schulterblattes nach oben, wobei er dich einmal herumdreht. Ihr seid nur wenige Schritte von deinem Bett entfernt, so dass es für ihn kein Problem darstellt, dich über das Fußende zu beugen, auch dein rechtes Handgelenk zu packen und beide mit einer Hand fixiert auf deinem Rücken abzulegen. “Na, das hat doch ganz wunderbar funktioniert, nicht wahr?” Du zögerst einen Moment, da die Aktion gerade so schnell ging, dass du erstmal realisieren musst, dass dein Kopf nun scheinbar auf deiner Bettdecke liegt. “Nicht wahr?”, während er das sagt, stößt er mit seinem Fuß deine Beine weiter auseinander. “J-Ja, mein Herr.” sagst du schnell und etwas überrascht. Deine Augen sind immer noch verbunden. Das war jetzt vielleicht das erste Mal, dass er dich so überrumpelt hat, aber du würdest nicht sagen, dass dir das nicht gefallen hat. Ein Moment vergeht, dann spürst du etwas Scharfes, dass nicht sein Fingernagel ist, es fährt langsam von unten dein Bein herauf und mit ihm auch ein wenig Nervosität. Was hat er jetzt vor?

Meine Hand hält spielend deine beiden Handgelenke auf deinem Rücken fixiert und gerade, als ich überlege, was ich wohl als nächstes mit dir anstelle, sehe ich am Boden eine schöne Gelegenheit liegen. Die Kiste für dein Badezimmer hast du offensichtlich schon ausgepackt und verstaut, aber diese kleine Gemeinheit musst du beim Auspacken übersehen haben. Schlampig, denke ich mir, während sich ein Grinsen auf meinem Gesicht breit macht. Ich beuge mich etwas nach unten, darauf bedacht, dass du es nicht mitbekommst und hebe die kleine Nagelfeile vom Boden auf. Sie ist lang, hat einen schwarzen Plastikgriff und läuft nach oben ziemlich spitz zu. Ganz hervorragend. Ich greife sie ein wenig umständlich weiter oben, damit der Druck, den ich gleich darauf ausüben werde, sie nicht versehentlich kaputt macht, dann setze ich sie mit Druck an deiner Wade unten an und lasse sie genüsslich ihren Weg langsam nach oben finden. Ich höre, wie du scharf einatmest, als die Spitze auf ihrer Bahn eine leuchtend rote Strieme hinterlässt. Nur keine Eile, wir haben die ganze Nacht Zeit, mein kleiner Liebling.

Der brennende Schmerz läuft dein Bein weiter hinauf, was zur Hölle ist das?! Er hatte doch gar kein Spielzeug dabei und er hat mich zu keinem Zeitpunkt losgelassen. “Ah, fuck!” entfährt es dir. Du kannst sein breites Grinsen schon in seiner Stimme hören, als er mit gespieltem Mitgefühl fragt: “Alles gut?” Du nickst eifrig… Alles gut, alles gut, ich gebe dir gleich alles gut! Erbarmungslos findet der Schmerz seinen Weg weiter nach oben, bis er an deinem Hintern angekommen ist, dort hört er auf, nur um dann bohrend und wesentlich stärker wieder deine Aufmerksamkeit zu suchen. Deine Muskeln versteifen sich, du kannst nichts dagegen tun. Was auch immer das ist, was er da verwendet, es bohrt sich gerade gefühl Zentimeter für Zentimeter tiefer in deine rechte Arschback. Dann erlischt plötzlich der Schmerz und Sekunden später spürst du den zärtlichen Kuss seiner Lippen auf deinem Hintern. Du atmest durch, was für ein Auftakt. Wenn er das nochmal macht, dann trete ich aus, das schwöre ich. Dein Körper entspannt sich wieder und du hörst seine Stimme: “Bleib genau so, sonst vergesse ich, wo ich gerade war und muss von vorne anfangen und das wollen wir doch nicht, oder?” Du schüttelst energisch mit dem Kopf.

Ich halte immer noch die Nagelfeile in der Hand und tippe ein bisschen mit dem Zeigefinger auf die doch überraschend scharfe Spitze. Deiner Atmung nach war das vielleicht ein bisschen zu viel “Genuss” für den Anfang. Dieses grimmige Lächeln auf deinen Lippen verheißt auch nichts Gutes, eventuell sollte ich es jetzt ein kleines bisschen ruhiger angehen, aber womit? Ich stütze abwesend meine Hand auf deinem Hintern ab und stehe wie an eine Kommode gelehnt, während ich mir dein Zimmer etwas genauer ansehe. “Hübsch hast du es hier, mein kleiner Schmetterling, seeeeehr hübsch.” Als Antwort erhalte ich ein dumpfes: “Danke”, das seinen Weg zwischen den Decken hindurch sucht. Mein Blick fällt auf die Kerzen, die überall verteilt sind und diesen Raum in ein sehr schönes Licht hüllen. Na, da haben wir doch was. Ich stoße mich von deinem Hintern ab und nehme mir eine von deinem Schreibtisch.

Du hältst deine Hände immer noch verschränkt auf deinem Rücken, wie er es dir aufgetragen hat, als du wieder seine Stimme hörst. “Jetzt nicht bewegen, wir wollen doch deine schönen Laken nicht versauen.” Die Kerzen! schießt es dir durch den Kopf und noch bevor du Einwände äußern kannst, landen die ersten Tropfen des heißen Wachses auf deinem Rücken. Auch wenn du wusstest, was kommen würde, brennt es doch überraschend heftig, als das Wachs sich mit deiner Haut bekannt macht.  “AH! Bitte seid vorsichtig. AHHH! Die Laken sind neu und, FUCK! ich möchte die gerne noch ein wenig länger AHAHA nutzen!” Das Tropfen hört auf und einen Augenblick später spürst du seinen Atem an deinem Ohr. Seine Stimme ist leise, aber scharf und respekteinflößend: “Habe ich schonmal Wachs irgendwo landen lassen, wo es nicht hingehört?” Diese Frage bedarf definitiv keiner Antwort, er weiß ganz genau, was er tut. Ein Augenblick der Stille, “Genau!” und nun wieder in einem liebevolleren Ton “Also, nicht bewegen. Danke.” Das Wachs beginnt von neuem und trifft nun auch deine Handgelenke, mit jedem Tropfen ergibst du dich mehr und mehr dem Schmerz. Der Kopf wird leerer und wo du gerade noch die Zähne zusammengebissen hast, bahnt sich nun eine wunderbare Gelassenheit ihren Weg und scheint dich vollkommen auszufüllen. Dein Körper wird leicht und du beginnst zu schweben.

Ich lege die Kerze, die mittlerweile nur noch ein kümmerlicher Rest ist, bei Seite. Ich habe fast den Eindruck, dass du gar nicht mitbekommen hast, dass ich aufgehört habe. Deine Atmung ist ruhig. So gelassen, wie du jetzt aussiehst, mag man gar nicht glauben, dass Schmerz die Ursache dafür ist. Ich setze mich neben dich auf die Bettkante und streichle sanft über dein Haar, als ich deine Stimme flüstern höre: “Mehr, bitte mein Herr. Lasst mich noch etwas mehr von Euch spüren.” Ich stehe wieder auf und antworte dir: “Sehr gerne, aber werden deine Mitbewohnerinnen nicht etwas mitbekommen?” Ein Lächeln macht sich auf deinem Gesicht breit: „Die wissen Bescheid, Ihr könnt mit mir machen, was Ihr wollt.” Ich krempel meine Ärmel hoch: “Na dann.”

Fortsetzung folgt…

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