Die Gehorsam-App

Wenn man in einer BDSM-Beziehung lebt, kann es vorkommen, dass einem von Zeit zu Zeit die Übersicht fehlt. Welche Aufgabe habe ich ihm nochmal gestellt? Wurde die schon erfüllt? War das jetzt einmal die Woche, oder doch täglich? Wie hatte er die Aufgabe für mich nochmal genau definiert? Erwartet mich eigentlich noch eine Strafe, will ich nachfragen? Ach nee, dann kassiere ich bestimmt eine, weil ich nicht aufgepasst hab‘. Rausnehmen kann ich mich da nicht. Ich habe ein Gedächtnis wie ein Sieb… Nun ja, es verhält sich eher wie bei einem großen Ring, durch den ich munter Sachen werfe, die ich mir vielleicht besser hätte merken sollen. Ich kann von Glück sagen, dass ich nur eine Sub habe, um die ich mich kümmern muss. Es sei denn, ich habe die anderen vergessen. °-°

Für Menschen wie mich gibt es schon seit längerem Hilfe in Form von verschiedenen Apps und um eine davon soll es im folgenden Beitrag gehen: Die Gehorsam-App. Ich verwende sie seit einigen Monaten regelmäßig und möchte euch nun von meinen Erfahrungen berichten.

Eine App für alle?

Ja, im Grunde schon. Zumindest, wenn du bereits eine/n Partner*in hast. Es gibt die Möglichkeit, sie als Dom oder Sub zu verwenden und auch das Hinzufügen mehrerer Partner*innen geht recht simpel. Man definiert Aufgaben, Belohnungen und Bestrafungen, die mit Punkten bemessen werden.  Ein einfaches, aber effektives System.

Aufgaben

Nutzt man die kostenlose Variante der App, so können bis zu sieben Aufgaben definiert werden. Für mich, mit einem Spielpartner, hat das vollkommen ausgereicht. Bei der Erstellung einer Aufgabe kann vieles vom Dom angepasst werden. So gibt es natürlich einen Titel und eine Beschreibung, aber auch Intervalle können definiert werden. Hierbei kann sogar eine Uhrzeit angegeben werden, bis wann an Tag X die Aufgabe erfüllt werden soll. Für die erstellten Aufgaben werden dann Punkte hinterlegt, die bei Erfüllen auf das Konto der Sub gutgeschrieben – oder im Fall eines Versäumnisses abgezogen werden.

Die Punkte müssen nicht gleich verteilt sein, so kann man einen Punkt vergeben, wenn eine Aufgabe zum Beispiel einmal mehr als gefordert abgeschlossen wurde, aber zum Beispiel fünf abziehen, wenn der Partner vergessen hat seinen Pflichten nachzukommen.

Es können sogar zu den einzelnen Aufgaben schriftliche Nachrichten hinterlegt werden, die die Sub angezeigt bekommt, wenn sie eine Aufgabe geschafft hat. In der Premium-Variante kann hier auch eine Sprachnachricht hinzugefügt werden oder verschiedene Abzeichen/Symbole. Die bringen dann zwar weiter nichts, aber es ist ein wenig Abwechslung da.

Aufgaben können außerdem von beiden Parteien als abgeschlossen gekennzeichnet werden.

Strafen und Belohnungen

Durch Aufgaben bekommen oder verlieren wir also Punkte, aber was ist, wenn ich meinen Punktestand ausgleichen oder mir was damit gönnen möchte? Hier kommen die Bestrafungen/Belohnungen ins sprichwörtliche Spiel. Diese definiert man – genau so wie die Aufgaben – vorher. Wir erstellen also beispielsweise eine Belohnung und geben ihr dann einen Wert in Punkten. Wie viele das sind liegt bei der/dem Dom, einen Vorschlag kann Sub hier in der App nicht einreichen. Die Belohnungen empfinde ich als sehr angenehm, weil dann ein gewisser Ansporn dabei ist auch mal mehr als die geforderten Aufgaben zu machen, wenn dafür zum Beispiel ein für sie/ihn persönliches Kopfkino in Aussicht steht, bei dem Sub sogar das Thema wählen darf. Auch nett könnte hier ein Rollentausch sein, ob nun als Bunny/Rigger oder Dom/Sub.

Leider funktionieren Strafen anders. So kann man zwar einen Wert für die Belohnungen hinterlegen, aber nicht für die Bestrafungen. Hier kann man den Counter nur erhöhen oder senken, ohne dass sich an den Punkten des Partners etwas ändert. Es besteht auch keine Möglichkeit den Strafen einen Punktewert zu geben, man ist also dazu gezwungen das in der Beschreibung festzuhalten bzw. generell selbst zu regeln. Das ist wirklich schade.

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass man in beiden Bereichen eine Historie einsehen kann. Dies ist allerdings dem dominanten Part vorbehalten.

Kommunikation

Diese App ist sicher kein Messanger, das heißt aber nicht, dass der integrierte Chat nichts taugt. Wie bei anderen Messengern auch, kann man hier Bilder verschicken, schreiben oder Sprachnachrichten aufnehmen. Der Versand von Videos war nicht möglich.

Ich für meinen Teil verwende für die Kommunikation mit meiner Sub eine eigene Gruppe in Threema, hier gelten für sie und mich besondere Regeln, die die Immersion in eine andere Kommunikationsebene noch greifbarer machen. Außerdem lege ich schon einen gesteigerten Wert auf Sicherheit, vor allem wenn es um einen teilweise sehr pikanten Chatverlauf geht.

Prinzipiell spricht nichts gegen den mitgelieferten Chat, und ob der sicherer oder unsicherer ist möchte ich auch gar nicht beurteilen. Hätte ich mich an Threema nicht schon so gewöhnt, könnte ich mir vorstellen, dass für mich die Dom-/Sub-Ebene mit dem mitgelieferten Chat auch reichen würde, bis auf das Manko mit dem Videoversand.

Aber…

kommen wir nun zu Dingen, die mir nicht so gut gefallen. Auf die Strafen bin ich ja vorhin schon kurz zu sprechen gekommen, darüber hinaus gibt es leider noch andere Dinge, die mich stören.

Zum Beispiel, dass man keine Aufgaben archivieren kann, wenn sie pausiert sind. Der Partner, für den die Aufgaben gedacht sind, sieht auch alle pausierten Aufgaben, was es teilweise etwas unübersichtlich macht.

Mir fehlt zum Beispiel ein grundsätzlicher Verlauf für die Punkte. Es wäre schön, wenn ich nicht immer über die Historie der Strafen, Aufgaben und Belohnungen gehen müsste, um zu sehen wann etwas abgezogen oder hinzugekommen ist (was bei den Strafen ja ohnehin relativ nichtssagend ist).

Grundsätzlich unterstütze ich sehr gerne Entwickler, vor allem wenn sie den ganzen Kram alleine in ihrer Freizeit machen, aber die Premium-Variante der Gehorsam-App ist einfach nicht attraktiv genug, als dass ich hier jedes Jahr auf’s neue 13,99 Euro zahlen möchte. Neue Motive, individuelle Aufgabenerinnerungen, zusätzliche Kategorien, kein Aufgabenlimit mehr und ein diskreter Modus sind nichts was ich brauche. Dass ich hier einen kleinen Entwickler unterstütze, ist noch der größte Bonus, aber mir nicht 13,99 Euro im Jahr wert.

Wenn man mir jetzt sagen würde, dass ich im Chat dafür die Option bekomme, auch Videos zu versenden, Video-Calls zu machen oder das Teilen von Inhalten in Social Media möglich wäre, dann wäre das eventuell ein interessanter Ansatz, aber so ist es „nur“ ein guter kostenloser Organizer.

Fazit

Ich bin mit der App zufrieden. Ja, es könnten Dinge verbessert werden und ja, ob es die App wirklich wert ist, dass man dafür jedes Jahr 13,99 Euro ausgibt, sei dahingestellt, aber ihre kostenlosen Grundfunktionen tun was sie sollen und vereinfachen das Planen deutlich.

Ob man eine App als zu unpersönlich wahrnimmt ist jedem selbst überlassen, eine eingestaubte Spielbeziehung wird sie wohl nicht retten. Viel eher wird sie irgendwann vielleicht zu einer nervigen Aufgaben-App, in der sich mit der Zeit immer mehr negative Punkte ansammeln, weil der/die Dom im Normalfall keine Punkte dafür vergibt, dass Aufgaben einfach erledigt wurden.

Die Gefahr besteht aber im normalen Spiel auch, genau so wie das Fehlen einer persönlichen Note. Die App ist ein tolles Hilfsmittel und als mehr sollte sie nicht betrachtet werden. Ich kann sie jedem empfehlen, der im Alltag an mehr als seine Sub denken muss.

Autor: Herr Shibari

Ist Herr dieser Seite. Schreibt Kurzgeschichen und Blogbeiträge.

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