Keine Sorge, ich werde euch in diesem Beitrag nicht erklären, was ein/e Brat ist. Es gibt mehr als genug Möglichkeiten, sich im Internet zu informieren, was eine Person auszeichnet, die für sich den Begriff der Brat gewählt hat. Außerdem ist die Bezeichnung Brat so weit verbreitet, dass ich mir fast nicht vorstellen kann, dass du sie hier zum ersten Mal liest.
Es ist für mich gar nicht so leicht zu definieren, worum es mir hier eigentlich geht, deswegen kommen jetzt einfach mal ein paar Gedanken zu dem Thema, die mich schon eine Weile umtreiben. Als jemand, der selbst eine kleine Brat sein Eigen nennt, mag ich es, wenn man mir ein bisschen Parollie bietet, wenn der Griff in den Nacken etwas fester sein muss und ich von Zeit zu Zeit zeige, wer die Oberhand in unserem Spiel hat.
Wer den letzten Satz aufmerksam gelesen hat, dem werden vielleicht die Wort: “ein bisschen” und “Von Zeit zu Zeit” aufgefallen sein. Ich bin, glaube ich, bisher nur einem Pärchen begegnet, für die diese Gegenwehr der Sub, die dann auch über das einfache Brat-sein hinausging, ein fester Bestandteil in ihrem Spiel ist. Ich habe die beiden auf einer Party kennengelernt, von der ich hier in einem anderen Beitrag schonmal geschrieben habe und durfte bei dieser Gelegenheit der ein oder andere Spielsituation von den beiden beiwohnen und muss sagen, dass es da schnell ziemlich zur Sache ging und wenn da nicht so viele andere gewesen wären, die sie schon kannten und mir gesagt haben, dass das alles im Einvernehmen stattfindet… Am Spiel selbst hätte man das nicht so einfach erkannt.
Es war intensiv und dass es nur bei blauen Flecken geblieben ist, hat mich ehrlich überrascht. Ich fand es spannend ihre Interaktion zu verfolgen, es hat mich echt beeindruckt, wie weit sie bereit waren zu gehen, aber ich habe auch festgestellt, dass ich sowas für mich nicht brauche. Ich will damit nicht sagen, dass ich es kategorisch ablehne und wir haben auch schon mit etwas mehr “dominantem Nachdruck” gespielt, aber immer muss es nicht sein, ganz davon abgesehen, dass ich dann wohl mein Abo im Gym reaktivieren müsste.
Diese Art zu spielen verlangt viel Zeit und Absprache, und ist ganz sicher nichts für Einsteiger. Ich will mir gar nicht vorstellen, was das mental mit einem Menschen macht, wenn man sowas einfach auf gut Glück versuchen würde, ich nehme allerdings an, dass der dominante Part wohl am Ende einem Richter erklären muss, was er sich dabei gedacht hat.
Dieser kleine Einschub erscheint jetzt vielleicht etwas zusammenhanglos, aber ich komme darauf noch zurück, versprochen.
Kommen wir aber erstmal zurück zum Thema: Manchmal glaube ich, dass es sich die eine oder der andere Brat recht leicht macht, wenn es um das Thema geht und das vielen nicht bewusst ist, wie viel Verantwortung in der Rolle als Brat steckt. Zum Brat sein gehört meiner Meinung nach deutlich mehr, als einfach nur frech zu sein und abzuwarten, was passiert. Die Rolle der/des Brat ist sogar ziemlich anspruchsvoll, würde ich sagen, weil viel kaputt gehen kann in der Dynamik zwischen Dom und Sub, wenn der Bogen überspannt wird.
Vom Anfang…
Die Setlist ist, glaube ich, den meisten klar: Man lässt nicht gleich alles mit sich machen, man gibt Widerworte, man wehrt sich, ist frech, vielleicht rutscht auch mal der ein oder andere Mittelfinger durch die Argumentation zur Stärkung des eigenen Standpunktes und eventuell wird man auch “handgreiflich”.
Alles Dinge, die im Spiel nach Absprache auch vollkommen ok sind, womit wir zum springenden Punkt kommen: Nehmen wir mal das Beispiel “Internet”, wo man sich häufig das erste Mal über den virtuellen Weg läuft. Sehr viele Subs haben in ihrem Profil drin stehen, dass sie Brat sind, das ist mittlerweile so “Standard” geworden, dass es in den ersten Gesprächen schnell untergeht, aber gerade darüber sollte man in jedem Fall sprechen, weil es nicht einfach nur ein Kink oder eine Vorliebe ist, sondern die Art und Weise wie gespielt wird, stark beeinflussen kann.
Als Dom sollte man daher immer darauf achten, wie das “Brat” im Profil der angebeteten Person zu verstehen ist, sonst kann so eine erste Session recht frustrierend werden und zwar für beide, denn am Ende will man ja auch als Brat keinen Bruch der Dynamik verursachen, oder? Womit wir beim nächsten Punkt sind.
Bis zum bitteren Ende?
Ich greife den letzten Punkt nochmal auf mit der Frage: “Wollen wir einen Bruch verursachen?” Für mich kann ich das ziemlich deutlich mit einem “Nein” beantworten, weil wenn es anders wäre, müsste ich mir glaube ich Hilfe holen, denn dann wäre ich nämlich eine Gefahr für andere.
Im Spiel geht vieles und je nach Pärchen, auch vieles mehr (na, habe ich’s nicht gesagt? Ich habe den Faden nochmal gefunden!), aber das Spielen miteinander sollte immer in einem Rahmen ablaufen, der dafür sorgt, dass es sich für alle Parteien gut anfühlt. Verletzt jemand diesen Rahmen oder kommuniziert nicht vernünftig, kann es dazu führen, dass man vielleicht gar nicht mehr miteinander spielen kann oder einen sehr weiten Weg vor sich hat, damit es sich wieder wie früher anfühlt.
Kommen wir mal zu einem konkreten Beispiel: Sie haben beide Lust zu spielen und zeigen sich das auch eindeutig. Sie ist frech und möchtest gerne etwas überzeugt werden. Er geht darauf ein und kündigt eine Strafe an, wenn nicht passiert, was er sagt. Sie zeigt sich wenig überzeugt, was folgt? Ganz klar, die Strafe. Die Ansage war klar genug. Nun wehrt sie sich allerdings auch dagegen, ihm wird das ganze zu bunt und er verschafft sich mit Nachdruck die Oberhand, was sie ebenfalls nicht akzeptieren will. Wir kürzen hier mal ab: Was folgt, ist: Schmerz, der nicht gewollt war und sehr viel Redebedarf.
Um mal einen großen deutschen Dichter zu zitieren: “Ja jut, woran hat et jelejen?”
Um es kurz zu machen: Ich hatte auch schon so eine Situation und hätte viel früher abbrechen sollen, als ich es getan habe. In meinem Fall kam es zu keinerlei Verletzungen, aber es hat mir ganz deutlich gezeigt, worauf ich in Zukunft mehr achten muss. Am Ende des Tages werde ich immer stärker sein, wenn ich es drauf anlege, aber in diese Richtung sollte es ohne Absprache niemals gehen. Ich war wirklich froh, dass wir uns im Anschluss beide einig waren, dass da was schiefgelaufen-, beziehungsweise nicht richtig kommuniziert worden ist. Ich glaube, wenn’s nicht so gewesen wäre, dann hätten sich das Spielen mit ihr für mich eine ganze Weile erledigt.
Grundsätzlich bin ich sicher niemand, der nicht auch ein bisschen Gegenwehr verträgt, aber ohne eine vorher gesteckte Grenze, muss jeder für sich entscheiden, wann Schluss ist und da hat das Ego nichts zu suchen. Wenn du der Meinung bist, mich nicht als den dominanten Part in diesem Spiel zu akzeptieren, werde ich mich nicht von dir an eine Grenze pushen lassen, die ich nicht bereit bin, ohne Absprache zu übertreten. Wenn ich deswegen abbreche, bist du nicht dominanter, du hast viel mehr bewiesen, dass du noch ein bisschen was über BDSM zu lernen hast, denn am Ende war das kein Zeichen von mangelnder Dominanz, sondern Verantwortungsbewusstseins und wer mich schon länger liest, der weiß, dass ich solche Aussagen nicht leichtfertig tätige.
Am Ende des Tages sind wir uns alle einig: Die Sub hat das letzte Wort, wenn der devote Part etwas nicht tun möchte, dann passiert es nicht. Mit diesem Faktor zu spielen hat seinen Reiz, aber es ist kein Freifahrtschein und egal wie man damit umgeht, es muss klar sein, wer am Ende oben und wer unten ist.