Über Verantwortung in Spielberichten

Spielberichte sind eine schöne Art, anderen Menschen näher zu bringen, was einen bewegt, bzw. bewegt hat. Sie dienen dazu, sich selbst Erlebnisse in einer Session wieder ins Gedächtnis zu rufen und diese zu verarbeiten. Sie regen die Fantasie Anderer an und geben Ideen für zukünftige Gelegenheiten, das Gelesene oder etwas ähnliches umzusetzen. Sie sind wichtig, nicht nur für Andere, sondern vor allem für einen selbst. Bei einem solchen Bericht schwingt eine Menge mit, was einem beim Schreiben vielleicht gar nicht selbst klar ist. So ein Beitrag ist verhältnismäßig schnell geschrieben, über die Konsequenzen für die Leser wird dabei in den meisten Fällen nicht weiter nachgedacht.

Ein Spielbericht ist nicht das gleiche wie beispielsweise ein kleines Kopfkino, da es sich nicht um eine fiktionale Geschichte handelt. Beide inspirieren, aber nur eine der beiden Erzählformen hat in der Realität auch stattgefunden. Als Autor eines Spielberichtes hat man eine gewisse Verantwortung, die vielen ganz einfach nicht klar ist. Die Menschen, die so einen Beitrag lesen, werden vielleicht versuchen, das Gelesene nachzumachen, völlig egal, wie viel Erfahrung sie in dem beschriebenen Bereich haben.

Ich lese fast täglich in den sozialen Medien darüber, dass Menschen auf Sicherheit im BDSM hinweisen. Darauf, dass man zum Beispiel nicht alles mit sich als Sub machen lassen muss, das man Vorkehrungen treffen soll für alle Fälle und das man die Finger von Dingen lassen soll, wenn man keine Ahnung hat. Worüber ich aber nie lese ist, dass nach einem Spielbericht so etwas kommt wie: „Lass es bleiben, wenn…“

Es ist eine gute Sache, auf Sicherheit hinzuweisen, aber woher weiß man denn, dass man keine Ahnung hat? Viele, die in eine Notlage oder sogar ins Krankenhaus gekommen sind, waren sich wahrscheinlich ziemlich sicher, dass sie genau wissen, was sie da tun.

Wie viel Verantwortung trage ich?

Wenn man so „on fire“ ist vergisst man beim Schreiben schnell, dass der eigene Erfahrungsschatz nicht dem der Leser entspricht. Warum auch nicht, man schreibt ja nur für sich selbst, oder? Im Prinzip natürlich richtig. Du bringst deine eigenen Erlebnisse zum Ausdruck, vielleicht zum Spaß, vielleicht versuchst du auch selbst nur etwas zu verarbeiten, aber in dem Moment, in dem wir so einen Bericht online – und ihn so einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung – stellen, tragen wir auch eine gewisse Mitverantwortung dafür, was aus unserem Text entsteht.

Sollte man da nicht zumindest am Ende eines solchen Berichtes auch auf die Gefahren hinweisen, die die eine oder andere Spielpraktik mit sich bringt?

Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht, das man ein zweiseitiges Pamphlet an jede geschriebene Spielerfahrung hängen sollte, aber mir wird bei solchen Berichten viel zu oft vergessen, dass nicht jeder auf dem gleichen Level wie man selbst ist.

Sicher kann man jetzt sagen: „Boah Shibari, jetzt mach mal ’nen Punkt! Soll denn vor jedem Porno etwa auch ein Warnhinweis auf eine Sehnenscheidenentzündung stehen?!“ Witzig fänd‘ ich’s schon, aber darum geht es mir gar nicht. Ich für meinen Teil finde den Gedanken nicht besonders anregend, dass sich jemand bei dem Versuch verletzt, etwas nachzumachen, was ich geschrieben habe.

Wie ich mit diesem Thema umgehe

Bisher habe ich noch keine Spielberichte geschrieben, aus genau diesem Grund. Meine Geschichten haben immer auch Bezug zur Realität, Teile davon sind so passiert, wie ich sie in meiner Erzählung beschreibe, aber eben nur Teile davon. Sollte ich zukünftig mal detailliert eine meiner/unserer Sessions beschreiben, werde ich am Ende definitiv darauf hinweisen, dass man bei der Durchführung bestimmte Dinge beachten sollte. Das tue ich nicht, weil ich meine Leser für zu dämlich halte, sondern weil ich mich dabei einfach besser fühle.

Im Endeffekt steht es natürlich jedem frei, seine Erfahrungsberichte zu schreiben, wie er/sie das gerne möchte, man sollte allerdings nicht so naiv sein zu glauben, dass da beim Nachmachen nichts passieren kann.

Ich will daran glauben, dass jeder, der seine Erfahrungen Anderen zur Verfügung stellt, auch eine Inspiration sein kann, dazu gehört aber eben auch, sich des vollen Umfangs einer solchen Möglichkeit bewusst zu sein. Ich habe schon viele Spielberichte gelesen und sagen wir es mal so: Ein kleiner Hinweis darauf, dass da wirklich Gefahren bestehen können, hätte dem einen oder anderen Beitrag sicher nicht geschadet.

Ich möchte meinen Text aber nicht mit einem so negativen Ton beenden. Jeder Erfahrungsbericht ist wichtig und ein Stück weit müssen wir, die wir schreiben, auf den gesunden Menschenverstand vertrauen. Einige von euch haben mich wirklich auf neue Ideen gebracht und dafür möchte ich euch an dieser Stelle danken.

Bis zum nächsten Mal in einem Kopfkino in ihrer Nähe 😉

Euer Shibari

Herr Shibari

Autor: Herr Shibari

Ist Herr dieser Seite. Schreibt Kurzgeschichen und Blogbeiträge.

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