Der heilige Gral

Heute möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die sich die meisten von euch wohl mindestens schon einmal gestellt haben. Entweder, weil sie selbst an diesem Thema aktiv oder passiv (oder sogar beides!) beteiligt sind. Es ist und bleibt ein heiß diskutiertes und häufig missverstandenes Thema: Wie bringe ich eine Frau am besten zum Orgasmus?

Natürlich ist meine Sicht auf dieses Thema ziemlich subjektiv, aber ich werde einfach ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und hoffe, dass es dem oder der einen oder anderen ein bisschen hilft. Mir hätte es vor ein paar Jahren wohl geholfen, so etwas zu lesen.

Allgemein wird ja zwischen zwei Formen des Orgasmus unterschieden: dem vaginalen und dem klitoralen. Man liest häufig, dass die große Mehrheit der Frauen keinen vaginalen Orgasmus erleben kann, sondern nur durch klitorale Stimulation kommen kann. Das stimmt allerdings nur bedingt. Wenn man sich mal eine schematische Darstellung der Klitoris anschaut, sieht man, dass es sich um ein weit größeres Organ handelt als das, worüber man normalerweise spricht. Der sichtbare Teil der Klitoris, die so genannte Eichel (ja, genau wie beim Penis auch) ist nämlich nur ein kleines Stück. Die Schenkel der Klitoris liegen innerhalb des Körpers, rund um die Vagina herum, und werden bei der Penetration stimuliert. Und genau deshalb sind eigentlich alle Orgasmen klitorale Orgasmen. Wieder was gelernt!

Obwohl ich schon früh angefangen habe, meinen Körper zu erkunden und mich mit Sexualität auseinanderzusetzen, hatte ich meinen ersten Orgasmus erst mit 21 Jahren. Dafür gab es unterschiedliche Gründe – ich war nicht selbstbewusst genug, um beim Sex richtig loszulassen, mein damaliger Freund hatte nicht so wirklich Ahnung davon, was er da tat (und ich noch weniger) und ich wusste einfach noch nicht, was mir „da unten“ gefällt. Das lag wiederum daran, dass ich die Sache mit der Masturbation nach ein paar unbefriedigenden Fehlversuchen einfach aufgegeben hatte.

Ich verstand einfach nicht, warum das bei mir nicht funktionierte, obwohl ich mich strikt an die Anleitung in der Bravo gehalten hatte. Dort stand im Endeffekt, man solle die Klitoris streichen und reiben, wie es einem am besten gefällt. Es war für mich aber schlicht und einfach unangenehm und irgendwann musste ich aufhören – sehr frustriert und in der festen Überzeugung, dass mein Körper einfach nicht normal ist und ich wohl nie Spaß am Sex haben würde.

Die Wende – und mit ihr der erste echte Orgasmus in meinem Leben – kam erst mit Anfang 20. Und mit dem Stiel einer Haarbürste. Das Ganze war mehr Zufall und Glück als Planung, aber es war in jedem Fall eine Offenbarung: Für mich ist es viel einfacher, vaginal zu kommen, weil ich klitoral wohl einfach zu schnell überreizt bin. Beim Sex mag ich lieber simple Penetration und gelegentliche klitorale Stimulation, also bin ich in diesem Bereich wohl tatsächlich das genaue Gegenteil der meisten Frauen. Das erklärt wohl auch, warum ich mit dem Satisfyer bzw. dem Womanizer bis heute einfach überhaupt nichts anfangen kann, obwohl so viele Frauen darauf schwören. Und vielleicht erklärt es auch, warum ich lieber gefickt als geleckt werde.

Vor Kurzem habe ich übrigens entdeckt, dass ich auch ganz hervorragende anale Orgasmen haben kann – aber das ist wohl eher ein Thema für einen eigenen Blogeintrag.

Bei diesem Thema gilt, wie bei allen anderen Themen im und ums Bett daher: Kommunikation ist das allerwichtigste. Redet mit eurem Partner/ eurer Partnerin und sagt, was euch gefällt. Fragt nach, wenn euch etwas nicht ganz klar ist. Jeder Körper ist unterschiedlich und das ist gut so. Für guten Sex braucht man einfach ein gutes Verständnis des eigenen und des fremden Körpers. Das ist erstmal Arbeit mit sich selbst und offene und ehrliche Kommunikation mit dem Gegenüber. Und Gedanken lesen kann leider immer noch niemand. Deshalb: Sprecht miteinander. Eure Lust wird es euch danken.

Ein Gedanke zu „Der heilige Gral“

  1. Ja mit dem Orgasmus der Frau ist es immer schon zu unterschiedlichen Interpretationen gekommen. Nun als Kind der 68ziger Zeit habe ich und auch die damaligen Freundinnen viel durch experimentieren herausgefunden. Was nicht klappte musste ergründet werden. Auch der Bürsenstiel kam zum Einsatz. Vieles habe ich auch bei Älteren Partnerinnen erfragt und geübt. Berlin war da sehr offen. Ausfklärung zuhause oder Schule, die konntest du vergessen. Eobei ich ja nich Glück hatte. Mutter Leiterin eines Kindetheimes für Jungs, versuchte wahrlich durch viele Gespräche meinen Wissendrang zu stillen. Nut zwischen Theorie und Praxis war immer noch ein riesengrosser Unterschied.

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